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Heizen mit Erdgas hat zahlreiche Vorteile: Im Gegensatz zu Heizungsanlagen, die mit Erdöl oder Holzpellets betrieben werden, ist kein Lagerraum nötig; das Erdgas wird direkt in den Heizungskreislauf eingeleitet. Bei der Verbrennung fällt kein Feinstaub an, und mit einer Gasbrennwertheizung verbrennt das Gas nahezu vollständig und geruchlos. Darüber hinaus müssen sich Erdgas-Kunden um die Versorgung keine Gedanken machen: Nach aktuellen Schätzungen reichen die derzeit bekannten Erdgasvorkommen noch für etwa 160 Jahre. Diese Argumente überzeugen so viele Gas-Kunden, dass 44 % der Privathaushalte in Deutschland über einen Gasbrennwertkessel verfügen.

Moderne Gasbrennwertheizungen sparen im Vergleich zu alten Gas-Heizungsanlagen zwischen 16 % und 30 % Heizkosten. Dieses Einsparpotenzial erklärt sich aus dem sehr guten Normnutzungswert von bis zu 109 %, der durch die fast vollständige Nutzung der Abgaswärme zustande kommt. Bei alten Gasheizungen ging die Abgaswärme völlig verloren. Doch wie kann die Abgaswärme überhaupt genutzt werden?

 

Funktionsweise einer Gasbrennwertheizung

BrennwertheizungGenau wie in einem herkömmlichen Heizkessel wird das Heizungswasser durch die Gasflamme im Brenner erhitzt. Das erhitzte Heizungswasser passiert den Wärmetauscher und wird dann als das sog. Vorlaufwasser in das Wärmeverteilungssystem (Heizungsrohre, Heizkörper, Fußbodenheizung) geleitet. Das nun kühlere sog. Rücklaufwasser, das das Wärmeverteilungssystem durchlaufen hat, fließt zunächst durch einen weiteren Wärmetauscher, der dafür sorgt, dass das Abgas in den Kamin weitergeleitet wird. Dieser Prozess bewirkt, dass ein großer Anteil der Wärme im Abgas an das Heizungswasser weitergegeben wird. Der Wasserdampf, der im Abgas enthalten ist, kondensiert. Dieser Vorgang setzt Wärme frei, die vom Rücklaufwasser aufgenommen wird. Das so erwärmte Rücklaufwasser fließt dann in den Wärmetauscher des Heizkessels und wird bis zum Erreichen der erwünschten Temperatur erhitzt. Ist die benötigte Vorlauftemperatur erreicht, wird das Wasser wieder in das Heizungssystem eingespeist.
Um eine Gasbrennwertanlage optimal betreiben zu können, ist ein dafür geeigneter Schornstein nötig. Gemauerte Schornsteine müssen in der Regel mit einem eingezogenen Edelstahl- oder Kunststoffrohr ausgestattet werden, da das durch den Heizprozess entstehende Kondensat sauer ist und den Schornstein beschädigen kann. Außerdem haben die meisten gemauerten Schornsteine einen zu großen Querschnitt, der verhindert, dass die Abgase einen ausreichenden Auftrieb haben und problemlos abziehen können.
Eine Nachrüstung ist besonders dann zu empfehlen, wenn die alte Heizungsanlage mit Heizöl betrieben wurde: Die Schwefelrückstände aus dem Heizöl bilden zusammen mit dem Kondensat aus der Gasbrennwertheizung die sehr aggressive Schwefelsäure, die den Schornstein nach und nach zerstören würde. Hier ist unbedingt der Rat eines Heizungsexperten oder Schornsteinfegers einzuholen.

 

Änderungen beim Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) 2009

Seit dem 1.1.2009 muss der Wärmeenergiebedarf von Neubauten zu einem Teil aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Unter Wärmeenergiebedarf versteht das Gesetz diejenige Energie, die zur Warmwasssergewinnung, zum Heizen sowie ggf. zum Kühlen benötigt wird. Diese Regelung gilt für alle Gebäude, für die ein Bauantrag oder eine Bauanzeige nach dem 1. Januar 2009 eingereicht worden ist. Der Bauherr kann frei über die Art der erneuerbaren Energie entscheiden, allerdings hängt deren vorgeschriebener Anteil am Gesamtbedarf von eben dieser Energieform ab. Seit dem 1.5.2011 gilt diese Vorschrift auch für öffentliche Gebäude.
Wietere Informationen zum EEWärmeG finden Sie unter www.niedrigenergiehaus-bauen.info.

 

Gasbrennwertheizung + Solarthermie

SolarthermieViele Bauherren entscheiden sich für die zusätzliche Installation von Solarkollektoren, um umweltfreundlich und kostengünstig Warmwasser zu erzeugen. Sobald die Wassertemperatur an Tagen mit wenig Sonneneinstrahlung nachlässt, wird durch die Gasbrennwertheizung automatisch nachgeheizt. Auf diese Weise werden im Vergleich zu einer alten Gasheizung mit Trinkwassererwärmung bis zu 55 % der CO2-Emissionen und etwa 50 % der Energiekosten eingespart.

Neben der Gasbrennwertheizung sind Solarkollektoren, ein solarer Schichtladespeicher sowie ein Solarregler nötig, um die Gasbrennwert-Solar-Kombination zu betreiben. Die Investitionskosten betragen für ein durchschnittliches Einfamilienhaus etwa 15.000 Euro, sind jedoch von mehreren Faktoren (Wohnfläche, Größe des Solarspeichers etc.) abhängig.

Das EEWärmG sieht für ein Gebäude mit höchstens zwei Wohneinheiten pro Quadratmeter beheizter Fläche eine Kollektorfläche von 0,04 Quadratmetern vor. Für ein Gebäude mit einer Nutzfläche von beispielsweise 200 Quadratmetern müsste die Kollektorfläche also acht Quadratmeter betragen. Für Häuser mit drei oder mehr Wohneinheiten beträgt die zu installierende Kollektorfläche 0,03 Quadratmeter pro beheiztem Quadratmeter Fläche.
Doch diese Verpflichtung wird eingeschränkt, wenn der Bauherr keine der erneuerbaren Energieformen nutzen kann oder ihre Nutzung nicht sinnvoll wäre. Dazu gehören z. B. die Nutzung von Abwärme oder der Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK), wenn sie mindestens 50 % des Wärmebedarfs decken.

Nähere Informationen hierzu sind auf der Website des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unter www.bmu.de  abrufbar.

 

 

Grafiken: Quelle wikipedia.org, Stefan 024; guukaa (Fotolia.de)

 

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